Eine Gemeinschaft rettet eine 160 Jahre alte TraditionsbrauereiBrau.Art


Man muss nicht immer weit weg blicken, um Geschichten von Zusammenhalt und Engagement zu entdecken. In Freyung steht die Brauerei Lang, die durch die Bildung einer Genossenschaft einen neuen Aufschwung erlebt – was ohne die beherzte Hilfe ihrer rund 160 Mitglieder niemals funktioniert hätte.

Eine Genossenschaft ist per Definition ein Zusammenschluss von mehreren Personen, die gemeinsame wirtschaftliche Interessen in einem gemeinschaftlichen Betrieb voranbringen möchten.

Was theoretisch schwer zu fassen scheint, wird in Freyung-Grafenau aktiv gelebt und ist alles andere als graue Theorie. Als die privat geführte Lang Bräu zum Verkauf ausstand, überlegte man bereits ernsthaft, dieses seit 1856 existierende Traditionsunternehmen zu verkaufen. Doch der Freyunger Bürgermeister Olaf Heinrich und sein engster Kreis setzten sich für den Fortbestand der kleinen Brauerei ein. Dazu wurde der gelernte Bankkaufmann, der sich im Laufe seiner Karriere als Vertriebsaußendienstmitarbeiter vor allem mit Genossenschaftsbanken auseinandergesetzt hatte und gleichzeitig langjährige Lang-Bräu-Wirt Gerhard Geier zu Hilfe gerufen, der die neu gegründete Genossenschaftsbrauerei nun als Vorstandsvorsitzender leitet. "Ich hatte eine Gaststätte und war vorher Kunde der Brauerei. Ich wurde von Lang ein Mal wöchentlich beliefert." Der Bankkaufmann hatte in seiner beruflichen Laufbahn hauptsächlich mit Genossenschaften zu tun und war auch bei der Gründung der "Lang Bräu Freyung eG" wesentlich beteiligt. 

"Spontan haben sich viele engagierte Bewohner des Landkreises dazu entschlossen bei uns Mitglied zu werden", erklärt Geier. Das Erstaunliche daran ist: weit über eine Million Euro Mitgliedereinnahmen konnten so erwirtschaftet und in die Brauerei investiert werden. Die rund 160 Genossenschaftsmitglieder können dabei über die Verwendung des erwirtschafteten Gewinns in der Jahresversammlung mitentscheiden. Gleichzeitig gab es für sie in den letzten beiden Jahren eine Dividende von einem Prozent, "die in Naturalien, also Getränke der Brauerei, ausbezahlt wurde", erklärt der Vorstandsvorsitzende schmunzelnd. Der traditionelle Brauprozess und der Kupferkessel im Sudhaus machen die Brauart in der Lang Brauerei besonders.  "Das Schöne an der Genossenschaft ist, dass die Brauerei nicht einer Person gehört, sondern jedem Einzelnen unserer Mitglieder. Jeder kann sich stolz als Teilhaber der Genossenschaft bezeichnen."

Sudkessel Lang Bräu


Auch der Wirtschaftsreferent des Landkreises Freyung-Grafenau Ralph Heinrich ist erfreut über die positive Entwicklung der Lang Brauerei. Das Signal, wie sich eine kleine Region zusammenschließt um ein Unternehmen zu retten, hat sich über die Grenzen des Landkreises hinaus verbreitet. "Die Lang Bräu hat sich auf einen Weg gemacht, der heute als hervorragend und erfolgreich bezeichnet werden kann", meint der Wahl-Niederbayer Ralph Heinrich.

"Der Bürgermeister Dr. Olaf Heinrich hat zusammen mit weiteren Leuten die genossenschaftliche Idee entwickelt und weiter gebracht. Mit Gerhard Geier wurde für die Brauerei zusätzlich ein kompetenter Mann an der Spitze gefunden. Die Vorteile der Region bestehen darin, dass man miteinander spricht und sich abspricht. Dadurch wurde die Idee der Genossenschaft schnell kommuniziert und hat gute Rückmeldungen bekommen." Die Zukunft der Lang Bräu sieht Ralph Heinrich sehr positiv: "Allein aus den wenigen Jahren der Genossenschaft sieht man, wie aus einer zarten Pflanze eine stattliche geworden ist und ich hoffe, die Genossenschaft wächst weiter so."

Dasselbe wünschen sich auch die acht Stammtischmitglieder von Edelweiss aus der Region Finsterau. Seit fünf Jahren treffen sie sich nun schon, am 11. November 2011 wurde der Stammtisch ins Leben gerufen und gleich zu Beginn haben sie sich zusammen einen Genossenschaftsanteil gekauft um die heimische Brauerei zu retten.


"Wir waren von Anfang an von der Idee begeistert."

"Ich glaube, keiner ist der Lang Bräu oft fremd gegangen seit wir Bier trinken", meint der Stammtisch-Vorsitzende Hans Plöchinger lachend. Die Freunde haben über die Presse von der Genossenschaftsidee erfahren und wussten, wenn es die Möglichkeit gibt das örtliche Unternehmen zu retten, möchten sie sich daran beteiligen.

"Es war kein Einzelner, der die Idee hatte der Genossenschaft beizutreten. Wir waren von Anfang an von der Idee begeistert und haben beschlossen zu investieren."

So haben die Mitglieder zusammen ihren Brauereianteil von 5000 Euro investiert und es nicht bereut. Es ist schön, wenn eine heimische Brauerei existiert, erklärt Hans Plöchinger. Außerdem kamen der Lang-Bräu Vorstandsvorsitzende Gerhard Geier sowie der Bürgermeister Olaf Heinrich persönlich vorbei, um dem Stammtisch Edelweiss ihre Mitgliedsurkunde zu überbringen und ihnen zum Beitritt ein Fass Lang-Bräu zu überreichen.

Für die Zukunft der Lang-Bräu wünscht sich der Stammtisch, dass die noch im Raum stehenden Ziele der Brauerei umgesetzt werden. "Ansonsten kann gerne alles so weitergeführt werden wie in den letzten beiden Jahren", schließt Hans.


Text: Isabelle Matějka Bilder: Isabelle Matějka Video: ULTIMA design

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