Eine (teilweise) wahre GespenstergeschichteGeister.Stunde


Wer sich noch nie darüber Gedanken gemacht hat, woher die Rachelhexe eigentlich kommt, wird sich anlässlich zum Allerheiligenfest bestimmt über unsere kleine Gruselgeschichte freuen. Denn hier verschwimmen Wahrheit und Legende und es bleibt viel Platz für Fantasie.

Jeder liebt Geschichten. Besonders diejenigen, bei denen man sich nicht sicher ist, ob sie aus der Feder eines fantasievollen Schreibers stammen oder ob sich etwas zugetragen hat, was der Mensch vielleicht nicht erklären kann. Oft gehen diese Schauermärchen auf alte Volkssagen zurück. Im Gegensatz zu Märchen beruhen sie auf historischen Gegebenheiten, auf realen Orten oder Personen. Dennoch haben Volkssagen keinen Anspruch auf Richtigkeit. Wir nehmen den Abend vor Allerheiligen, heute oft als Halloween bezeichnet, zum Anlass, euch eine Geschichte aus dem Landkreis Freyung-Grafenau nahezubringen. Fast jeder, der schon mal mit dem Landkreis Freyung-Grafenau zu tun hatte, kennt sie: die Rachelhex.

Der Rachelsee aus einem mystischen Blickwinkel

Die Gräfin Maria Maximiliana Genoveva Freiin von Drexel – „die Wecklin“ genannt – lebte im 18. Jahrhundert auf Schloss Ramelsberg bei Schönberg. Die Wecklin muss eine böse, aber auf jeden Fall geizige Frau gewesen sein. Sie suchte sich angeblich häufig die einzigen Söhne von Bauernfamilien aus, sodass diese für sich selbst und für teures Geld einen Knecht anstellen mussten. Bald schon war ihr Ruf so schlecht, dass ihre Untergebenen sogar lieber beim ärmsten Bauern der Gegend als unter den miserablen Arbeitsbedingungen der Gräfin arbeiten wollten. Die Dame der Burg wollte nicht einmal ihre Essensreste den Armen geben – lieber ließ sie die an ihre Schweine verfüttern. Sie muss willkürlich Verbote an Bauern in Bezug auf die Zeiten der Aussaat und der Ernte verhängt haben, sodass diese mehr als einmal schlecht ausfiel.

Wie das Leben so spielt, muss auch ein böser Mensch einmal im Leben abtreten. Und nicht verwunderlich ist, dass ihr wohl niemand eine müde Träne nachweinte. Man kann sich direkt vorstellen, wie die Sektkorken bei den Bauern geknallt haben müssen – endlich ist sie weg.

Zurück zur Geschichte: Die Wecklin war tot und sollte nun unter die Erde gebracht werden. Als man sie in ihrem Sarg auf den Sackkarren hievte und zum Friedhof geleiten wollte, geschah etwas Seltsames. Die Sage besagt, dass der Karren sich nicht bewegen ließ. Die Pferde stemmten sich in den Schlamm, doch nichts geschah. Der Sarg schien tonnenschwer zu sein. Ein Raunen ging durch das erstaunte Publikum. Da flog ein Rabe auf und setzte sich auf den Sarg der Gräfin. Die Menge wurde still und starrte das Tier an. Und dann tat es drei Schläge: tock, tock, tock. Der Rabe klopfte mit seinem Schnabel auf den Sarg. Die Augen aller Anwesenden folgten ihm, als er sich wieder in die Luft erhob. Und plötzlich fuhr der Wagen los, der Sarg scheinbar leicht wie eine Feder.

Blick vom Gipfelkreuz über den Bayerischen Wald


Nach diesem Erlebnis entspannten sich die beunruhigten Gemüter bald wieder. Der Spuk war damit aber nicht vorbei. Nach einigen Tagen kam eine Magd zum verwitweten Grafen. Sie war blass und außer Atem als sie ihre Beobachtung schilderte. Die Gräfin war ihr beim Schweinefüttern als Geist erschienen und aß mit den schmutzigen Tieren aus dem Trog. Der Witwer konnte es nicht glauben und begleitete die Magd am folgenden Tag zum Stall. Da sah er seine verblichene Frau mit eigenen Augen. Sie aß aus dem Bottich, mit wilden Augen und Seite an Seite mit den Tieren im Schlamm. Der arme Mann war so erschrocken, dass er veranlasste, dem Geist seiner Frau eine Platte mit feinen Speisen zu bringen, sodass sie nicht mit den Tieren im Schmutz speisen musste.
Doch der Geist verschmähte die Köstlichkeiten und blieb bei den Schweinen. Ratlos verlangte man nach einem Priester. Dieser verbannte die Gräfin vom Schloss und schickte sie zum Rachelsee. Auf ihren Wunsch hin erhielt die Gräfin eiserne Schuhe, damit sie Buße für ihren Geiz und ihre Bösartigkeit im Leben tun konnte.

Auch bis heute hat die Wecklin keine Ruhe gefunden. Denn - ob die Geschichte wahr ist oder nicht - jedes Jahr an den zwölf Losnächten (niederbayerisch Lousnächte, ein Brauch aus der Region) sieht man die Wecklin auf glühenden Schuhen durch die Dörfer ziehen.

Diese Tradition wird im Landkreis groß gefeiert. Ganze Festzüge voll verkleideter Wecklins, Frau Perchtas, Howagoaß’ (der Bock), Durandls und einigen mehr ziehen durch die Straßen der Städte und Dörfer des Landkreises Freyung-Grafenau. Ab Dezember gibt es das Spektakel zu bewundern – und wir wissen: hier gibt es mehr zu sehen als du erwartest.

Blick auf den Rachelsee und Rachelkapelle



Text: Isabelle Matějka Bilder: Georg Knaus, Carina Groß, Alice Alteneder

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