Von Kunst und FreiheitLinien.Führung


Als Kunstlehrer und Künstler lebt Herbert Muckenschnabl seine ganz persönliche Freiheit in vollen Zügen aus. Wie ein roter Faden zieht sich die Suche nach Inspiration und den richtigen Farben durch sein Leben.

Der Grafiker und Maler Herbert Muckenschnabl stammt gebürtig aus Gotteszell und lebt seit 1984 in Schönanger. Sein Atelier dort war neben der wachsenden Familie einer der Gründe, warum sie in den Landkreis Freyung-Grafenau gezogen sind.

Die Nähe zu Herberts Arbeitsplatz an der Realschule Grafenau spielte dabei ebenfalls eine große Rolle. "Ich hatte ein tolles Berufsleben. Ich denke gerne zurück. Im Umgang mit den Schülern bin ich oft von ihnen auf etwas gebracht worden und dachte dann: Das ist der springende Punkt", schwärmt der pensionierte Lehrer.

Schon früh kam Herbert mit Kunst in Berührung. Sein Vater war ein herausragender Zeichner und erfüllte ihm als Kind oft den Wunsch, etwas für ihn zu zeichnen.

"Seit meiner Jugend hat mich die Kunst des ausgehenden 19. Jahrhunderts und des beginnenden 20. Jahrhunderts fasziniert", erläutert Herbert und verweist auf Gauguin und später Matisse, die seine Werke unter anderem inspiriert haben.

Das Schlüsselerlebnis hatte der Maler während des Musikstudiums. Nach einem Workshop in München besuchte er eine Expressionistenausstellung im Lenbachhaus, wo er die Klarheit und Abgrenzung der Flächen in den Werken von Kandinsky (der Künstler des Blauen Reiters) bewunderte.


"Seit diesem Tag gehe ich heute noch immer wieder gerne mit meiner Frau bei Besuchen in München ins Lenbachhaus."

Inspiriert von dieser Struktur und Ordnung begann der Weg des Künstlers, der ihn zu seiner heutigen persönlichen Ausdrucksweise führte. "Meine Kunst lebt sehr stark von der Grafik", meint er.

Zunächst orientierte sich Herbert stark an diesen Leuten, ehe er durch viel Übung und Arbeit zu einer eigenen Aussage in seinen Werken kam. Es dauere schon gut zwei Jahrzehnte, führt Herbert aus, bis man außer dem Einfluss anderer Künstler heraus sich selbst in den Bildern wieder entdecken kann und zu einer eigenen Aussage kommt.

Dabei arbeitet er mit vielen Komplementärkontrasten. Blau beispielsweise wird mit Gelb sowie Rot mit Grün hervorgehoben. Denn Herbert weiß, dass Farben alleine nicht wirken, erst durch den Kontrast werden sie bewusst in Szene gesetzt.

Als er noch die Schüler der Grafenauer Realschule lehrte, rahmte er deren Bilder professionell ein und hängte sie im Schulgebäude auf. "Wie kommt man denn dazu anzunehmen, eine Schülerarbeit sei nichts wert?"

Dabei hatte er seine eigene erste Ausstellung eher unfreiwillig. Einer seiner Künstlerkollegenversuchte hartnäckig, ihn zu einer gemeinsamen Ausstellung zusammen mit drei weiteren Künstlern zu überzeugen, wobei Herbert stets absagte. Bis zu dem Tag, an dem dieser Kollege ihn einfach mit angemeldet hatte. Inzwischen ist Herbert diesem Mann dankbar. Doch als Herbert seine Bilder zum ersten Mal zwischen den anderen Werken sah, war er entsetzt. Er fand keine Aussage in den Bildern, das eine war eher verwaschen, das andere sehr streng. Damit erwachte sein Ehrgeiz und er begann seine Bilder einheitlich zu gestalten und dem Ganzen eine Stringenz zu verleihen. Dies bildete einen großen Meilenstein in seiner künstlerischen Arbeit.


Bei seiner nächsten Ausstellung 1979 gemeinsam mit 2 weiteren Künstlern beim Grafenauer Frühling konnte er für sich seinen ersten Erfolg verbuchen.

"Die Bilder hatten jetzt eine gewisse Linie und waren nicht mehr so unterschiedlich in ihrer Art", erklärt der Künstler.

Das Tolle an der Kunst, findet Herbert, ist die grenzenlose Freiheit, die man sich darin nehmen kann. "Man kann eigentlich alles machen. Man kann provozieren bis zur Unerträglichkeit. Man kann aber auch unendlich bieder sein. Es ist ein Ausdruck von Freiheit und das ist auch das Schöne an der Kunst."

Freiheit besteht für ihn außerdem aus ganz verschiedenen Aspekten: persönliche und politische Freiheit sowie Meinungs- und Reisefreiheit. "Wenn ich Leute sehe, die wegen mangelnder Freiheit in ihrem Land zu uns gekommen sind bin ich sehr dankbar. Die Freiheit, die wir hier besitzen ist etwas, das wir schützen müssen".

Der Künstler ist gleichzeitig in der Flüchtlingshilfe tätig und gibt zwei Mal in der Woche Deutschunterricht für Flüchtlingskinder.

"Ich fühle mich als Bürger im Landkreis FRG mit jeder erdenklichen Freiheit geehrt. Wir haben eine sehr stark bevorzugte Lebensweise bei uns", erklärt Herbert. "Ich kann jederzeit die schöne Natur nutzen, die unmittelbar vor meiner Haustür beginnt. Und ich kann mir Zeit nehmen, um die Natur, den Wald, aktiv zu erfahren. Hier gibt es grenzenlose Räume. Um alles erfahren zu können, muss man ein Leben lang hier bleiben", schließt Herbert.


Text: Isabell Matějka Bilder: Isabelle Matějka

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